Tipp 14 · Online Business starten

Umsatzsteuer-ID beantragen: Wann du sie wirklich brauchst

USt-ID, Steuernummer, Wirtschafts-ID und inzwischen sogar eine eigene Kleinunternehmer-ID für bestimmte EU-Fälle – kein Wunder, dass Gründer den Überblick verlieren. Hier erfährst du, wann die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer tatsächlich wichtig ist, was sie bei Kleinunternehmern verändert, wie Reverse Charge funktioniert und was bei Amazon, Etsy, Digistore24 und ausländischen Dienstleistern wirklich gilt.

Von – Verkaufserfahrung über Amazon FBA, Etsy und Digistore24 seit 2018

Grundlagen

Was ist eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer überhaupt?

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer – kurz USt-IdNr. oder USt-ID – ist eine zusätzliche steuerliche Kennzeichnung für Unternehmen. In Deutschland wird sie vom Bundeszentralamt für Steuern vergeben. Eine deutsche USt-ID beginnt mit DE und wird von neun Ziffern gefolgt.

Sie ist vor allem für den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb der Europäischen Union wichtig. Unternehmen können sich damit gegenüber Geschäftspartnern in anderen EU-Staaten als Unternehmer identifizieren.

Was heißt das ganz praktisch?

Stell dir die USt-ID wie eine Unternehmenskennung für bestimmte EU-Umsatzsteuerfälle vor. Sie sagt deinem Geschäftspartner nicht, wie hoch dein Gewinn ist oder ob du Kleinunternehmer bist. Sie zeigt zunächst nur: Hinter dieser Nummer steht ein umsatzsteuerlich erfasstes Unternehmen.

Das wird zum Beispiel wichtig, wenn du als deutsches Unternehmen Software von einem Anbieter in einem anderen EU-Land einkaufst, Werbung bei einem ausländischen Anbieter buchst oder eine Dienstleistung an ein Unternehmen in Frankreich, Österreich oder Spanien verkaufst. Dann muss geklärt werden, in welchem Land die Umsatzsteuer entsteht und wer sie schuldet.

Einfaches Beispiel: Du sitzt in Deutschland und kaufst eine geschäftliche Software bei einem Unternehmen in Irland. Genau in solchen Fällen kann deine USt-ID für die richtige Rechnungsstellung und das Reverse-Charge-Verfahren relevant werden.

Die USt-ID ersetzt nicht automatisch deine anderen Nummern

Du kannst gleichzeitig eine persönliche Steuer-ID, eine betriebliche Steuernummer, eine Wirtschafts-Identifikationsnummer und eine Umsatzsteuer-ID haben. Seit der Einführung der Wirtschafts-ID ist diese Unterscheidung noch wichtiger geworden.

Nicht verwechseln

Steuernummer, USt-ID, Wirtschafts-ID und Kleinunternehmer-ID

01

Steuernummer

Wird vom zuständigen Finanzamt vergeben und dient der steuerlichen Führung deines Unternehmens. Sie wird unter anderem für Steuererklärungen und – sofern keine andere zulässige Nummer verwendet wird – auf Rechnungen benötigt.

02

USt-ID

Wird vom BZSt vergeben und ist speziell für umsatzsteuerliche Sachverhalte im EU-Binnenmarkt relevant. Sie beginnt in Deutschland mit DE und neun Ziffern.

03

Wirtschafts-ID

Die W-IdNr. wird Unternehmen schrittweise automatisch zugeteilt. Sie dient der einheitlichen Identifikation gegenüber Behörden und ersetzt die USt-ID aktuell nicht.

04

Kleinunternehmer-ID

Diese Nummer betrifft das besondere EU-Meldeverfahren nach § 19a UStG, wenn ein deutscher Kleinunternehmer die Kleinunternehmerbefreiung auch in einem anderen EU-Mitgliedstaat nutzen möchte.

Welche Nummer brauchst du im Alltag wofür?

Für Einsteiger ist vor allem wichtig, nicht jede Nummer überall einzutragen. Deine Steuernummer gehört zu deiner steuerlichen Führung beim Finanzamt. Die USt-ID wird bei bestimmten EU-Umsatzsteuerfällen verwendet. Die Wirtschafts-ID ist eine zusätzliche Identifikationsnummer für wirtschaftlich Tätige und ersetzt die USt-ID derzeit nicht.

Die Kleinunternehmer-ID wiederum ist ein Spezialfall: Sie betrifft nur das besondere EU-Kleinunternehmerverfahren. Du brauchst sie also nicht bloß deshalb, weil du in Deutschland die Kleinunternehmerregelung nutzt.

Ähnlicher Aufbau bedeutet nicht gleiche Funktion

Gerade die Wirtschafts-ID kann optisch einer USt-ID ähneln. Trotzdem erfüllen beide Nummern unterschiedliche Zwecke. Die Wirtschafts-ID ersetzt die Umsatzsteuer-ID derzeit ausdrücklich nicht.

Entscheidungshilfe

Wann brauchst du eine USt-ID – und wann nicht zwingend?

Die Aussage „Jeder Online-Unternehmer braucht zwingend eine USt-ID“ ist zu pauschal. Entscheidend ist, wie und mit wem du Geschäfte machst.

EU-B2B-Dienstleistungen

Kaufst oder verkaufst du Dienstleistungen zwischen Unternehmen in verschiedenen EU-Staaten, wird die USt-ID regelmäßig wichtig – zum Beispiel bei Software, Werbung, Plattformgebühren, Beratung oder Agenturleistungen.

Innergemeinschaftliche Warenlieferungen

Bei bestimmten Warenbewegungen zwischen Unternehmen in verschiedenen EU-Staaten ist die USt-ID für die umsatzsteuerliche Abwicklung und den Nachweis der Unternehmereigenschaft zentral.

Nur Kunden und Lieferanten in Deutschland

Allein für rein inländische Umsätze brauchst du nicht automatisch eine USt-ID. Sie kann trotzdem praktisch sein, etwa weil du sie statt der Steuernummer auf bestimmten Rechnungen verwenden möchtest.

Online-Plattformen

Plattformen können Steuerinformationen oder eine USt-ID verlangen. Das ist aber nicht bei jeder Plattform und nicht für jeden Verkäufer identisch. Entscheidend sind Plattformregeln und deine konkrete steuerliche Konstellation.

So entscheidest du als Anfänger Schritt für Schritt

Frage dich zuerst: Habe ich überhaupt einen Geschäftspartner außerhalb Deutschlands? Wenn nein, ist eine USt-ID für deine rein deutschen Umsätze nicht automatisch erforderlich.

Wenn ja, kommt die zweite Frage: Geht es um eine Ware oder um eine Dienstleistung? Bei Dienstleistungen zwischen Unternehmen in verschiedenen EU-Staaten spielt häufig Reverse Charge eine Rolle. Bei Waren gelten dagegen andere Regeln, zum Beispiel zum innergemeinschaftlichen Erwerb.

Erst danach ist sinnvoll zu prüfen, ob und wie du deine USt-ID gegenüber dem Geschäftspartner verwendest. Besonders als Kleinunternehmer solltest du die Nummer nicht einfach überall hinterlegen, ohne die steuerliche Folge zu kennen.

Praxisregel für Online-Business-Einsteiger

Sobald du regelmäßig Leistungen von Unternehmen im EU-Ausland einkaufst oder B2B-Leistungen in andere EU-Staaten erbringst, solltest du das Thema USt-ID frühzeitig klären. Gerade Software-Abos, Werbeanzeigen und Plattformgebühren führen schneller zu EU-Sachverhalten, als viele Gründer erwarten.

Kleinunternehmer

Brauchst du als Kleinunternehmer eine Umsatzsteuer-ID?

Du darfst als Kleinunternehmer eine USt-ID beantragen. Die Nummer selbst ändert nichts an der Kleinunternehmerregelung. Du wirst also nicht allein deshalb automatisch regelbesteuert und musst nicht plötzlich auf alle inländischen Umsätze Umsatzsteuer aufschlagen.

Trotzdem ist wichtig: Die Kleinunternehmerregelung befreit dich nicht von jedem umsatzsteuerlichen Sonderfall. Bestimmte grenzüberschreitende Sachverhalte können auch bei Kleinunternehmern Umsatzsteuer auslösen.

Warum ist das für Kleinunternehmer so verwirrend?

Die Kleinunternehmerregelung betrifft in erster Linie die Umsatzsteuer auf deine eigenen begünstigten Umsätze. Sie bedeutet nicht, dass du im gesamten Umsatzsteuerrecht „unsichtbar“ bist.

Deshalb kann folgendes gleichzeitig stimmen: Du stellst deinen deutschen Kunden als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer in Rechnung – und musst trotzdem in einem grenzüberschreitenden Sonderfall selbst Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen.

Beispiel: Du verkaufst dein eigenes Produkt in Deutschland nach der Kleinunternehmerregelung steuerfrei. Gleichzeitig kaufst du eine geschäftliche Dienstleistung von einem Unternehmen im EU-Ausland. Für diese eingekaufte Leistung kann Reverse Charge greifen. Das sind zwei verschiedene Vorgänge.

Inländische eigene Umsätze

Erfüllst du die Voraussetzungen des § 19 UStG, sind deine begünstigten inländischen Umsätze grundsätzlich steuerfrei. Die USt-ID allein ändert daran nichts.

EU-Dienstleistungen

Beziehst du eine Leistung von einem im EU-Ausland ansässigen Unternehmen, kann das Reverse-Charge-Verfahren greifen. Dann kannst du als Kleinunternehmer selbst deutsche Umsatzsteuer schulden.

Vorsteuerabzug

Als Kleinunternehmer hast du grundsätzlich keinen Vorsteuerabzug aus deinen Eingangsleistungen. Genau deshalb kann Reverse Charge für dich tatsächlich zu einer zusätzlichen Kostenbelastung führen.

Falsch: „Mit USt-ID zahle ich auf ausländische Gebühren keine Umsatzsteuer mehr“

Eine Nettorechnung des ausländischen Anbieters bedeutet nicht automatisch, dass die Umsatzsteuer verschwindet. Häufig verlagert sich lediglich die Steuerschuld auf dich. Als Kleinunternehmer musst du diese Steuer dann unter Umständen in Deutschland abführen, ohne sie als Vorsteuer zurückholen zu können.

Reverse Charge

Reverse Charge einfach erklärt: Wer zahlt die Umsatzsteuer?

Bei vielen grenzüberschreitenden B2B-Dienstleistungen innerhalb der EU wird die Umsatzsteuer nicht vom ausländischen Dienstleister berechnet. Stattdessen wird der Leistungsempfänger in Deutschland zum Steuerschuldner. Genau das ist das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren.

Warum heißt das „Reverse Charge“?

Normalerweise berechnet der Verkäufer oder Dienstleister die Umsatzsteuer und führt sie an sein Finanzamt ab. Beim Reverse-Charge-Verfahren wird dieses Prinzip umgedreht: Nicht der ausländische Anbieter, sondern du als Leistungsempfänger berechnest und schuldest die deutsche Umsatzsteuer.

Für einen regelbesteuerten Unternehmer mit vollem Vorsteuerabzug kann sich Umsatzsteuer und Vorsteuer häufig gegenseitig ausgleichen. Ein Kleinunternehmer hat diesen Vorsteuerabzug grundsätzlich nicht. Deshalb kann derselbe Vorgang für einen Kleinunternehmer tatsächlich Geld kosten.

Beispiel: 100 Euro Plattform- oder Werbegebühr aus einem anderen EU-Staat

Angenommen, dein Unternehmen erhält eine für Reverse Charge geeignete B2B-Dienstleistung über netto 100 Euro von einem im EU-Ausland ansässigen Anbieter.

SCHRITT 1 Der ausländische Anbieter stellt dir eine Nettorechnung über 100 Euro aus.
SCHRITT 2 Du berechnest die deutsche Umsatzsteuer selbst – bei 19 % wären das 19 Euro.
SCHRITT 3 Als Kleinunternehmer ist diese Steuer grundsätzlich nicht als Vorsteuer abziehbar. Bei vollem Vorsteuerabzug kann sie für Regelbesteuerte dagegen häufig wirtschaftlich neutral sein.

Auch Kleinunternehmer können dafür Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben müssen

Das Umsatzsteuergesetz enthält für Fälle, in denen Unternehmer ausschließlich Steuer nach Reverse Charge schulden, eigene Erklärungspflichten. Die Kleinunternehmerregelung hebt diese Pflichten nicht pauschal auf.

Waren aus der EU

Kleinunternehmer und Warenkäufe aus anderen EU-Ländern: Achtung mit der USt-ID

Auch bei Waren gilt nicht einfach „USt-ID angeben und fertig“. Für bestimmte Unternehmer, darunter Kleinunternehmer, gibt es beim innergemeinschaftlichen Erwerb eine Erwerbsschwelle von 12.500 Euro.

Was bedeutet „Erwerbsschwelle“?

Die Erwerbsschwelle ist eine Sonderregel für bestimmte Unternehmer, zu denen auch Kleinunternehmer gehören können. Solange die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und deine entsprechenden EU-Warenkäufe die Schwelle nicht überschreiten, wird der Warenkauf nicht automatisch als innergemeinschaftlicher Erwerb in Deutschland besteuert.

Wichtig ist aber: Wenn du gegenüber dem Lieferanten deine deutsche USt-ID verwendest, kann das rechtlich als bewusster Verzicht auf diese Vereinfachung gelten. Dann wechselst du in die Erwerbsbesteuerung und bist daran grundsätzlich mindestens zwei Kalenderjahre gebunden.

Beispiel: Du bist Kleinunternehmer und bestellst Waren bei einem Händler in einem anderen EU-Land. Bevor du dort automatisch deine USt-ID hinterlegst, solltest du prüfen, ob du damit auf die Erwerbsschwelle verzichtest.

Unterhalb der Erwerbsschwelle

Liegen die gesetzlichen Voraussetzungen vor und wird die Erwerbsschwelle nicht überschritten, kann die besondere Erwerbsbesteuerung in Deutschland grundsätzlich unterbleiben.

USt-ID gegenüber dem Lieferanten verwenden

Vorsicht: Die Verwendung deiner USt-ID gegenüber dem EU-Lieferanten kann als Verzicht auf die Erwerbsschwelle gelten. Dieser Verzicht bindet dich grundsätzlich für mindestens zwei Kalenderjahre.

Darum sollte ein Kleinunternehmer seine USt-ID nicht reflexartig überall eintragen

Eine USt-ID ist ein Werkzeug für bestimmte steuerliche Situationen. Ihre Verwendung kann selbst steuerliche Folgen auslösen. Wenn du regelmäßig Waren aus anderen EU-Staaten einkaufst, solltest du prüfen, ob die Erwerbsschwelle und deren Verzicht für dich relevant sind.

Online-Plattformen

Amazon, Etsy und Digistore24: Was gilt wirklich?

Die alte pauschale Aussage „Auf großen Plattformen ist die USt-ID immer Pflicht“ stimmt so nicht. Plattformen haben unterschiedliche Regeln – und bei manchen hängt die richtige Nummer sogar davon ab, ob du Kleinunternehmer oder regelbesteuert bist.

Warum gibt es bei Plattformen keine einzige Antwort?

Bei Amazon, Etsy oder Digistore24 treffen zwei Ebenen aufeinander: das Steuerrecht und die Regeln der Plattform. Eine Plattform kann bestimmte Steuerdaten verlangen, obwohl dieselbe Angabe bei einem anderen Anbieter nicht erforderlich ist.

Deshalb solltest du nicht nur fragen „Brauche ich für Etsy eine USt-ID?“, sondern genauer: Welche Leistung wird abgerechnet, wer stellt mir die Rechnung, in welchem Land sitzt dieser Vertragspartner und welchen Steuerstatus habe ich selbst?

Marktplatz

Amazon

Amazon verlangt steuerliche Registrierungsdaten abhängig davon, wie und wo du verkaufst beziehungsweise Waren lagerst. Eine USt-ID kann deshalb erforderlich werden. Die Aussage „jede Person braucht zwingend eine USt-ID, nur weil sie ein Amazon-Verkäuferkonto hat“ ist jedoch zu pauschal.

Zusätzlich bestehen für elektronische Marktplätze gesetzliche Aufzeichnungspflichten. Deshalb spielt die USt-ID bei unternehmerischen Verkäufern auf Marktplätzen eine wichtige Rolle.

Marktplatz

Etsy

Etsy erlaubt die Hinterlegung einer USt-ID und fordert sie in bestimmten Ländern beziehungsweise Konstellationen. Für EU-Shops außerhalb Irlands gilt: Ist eine USt-ID hinterlegt, berechnet Etsy auf Verkäufergebühren grundsätzlich keine Umsatzsteuer.

Aber: Für einen deutschen Kleinunternehmer ist das nicht automatisch eine Ersparnis. Bei einer B2B-Leistung kann dann Reverse Charge greifen und deutsche Umsatzsteuer selbst zu erklären sein.

Reseller

Digistore24

Bei Digistore24 ist die alte Aussage „Kleinunternehmer brauchen eine USt-ID“ falsch. Nach den aktuellen Digistore24-Hinweisen geben deutsche Kleinunternehmer ihre Steuernummer an und wählen die Kleinunternehmerregelung.

Umsatzsteuerpflichtige deutsche Vendoren und Affiliates hinterlegen dagegen ihre USt-ID. Für Auszahlungen in Europa verlangt Digistore24 je nach Status eine USt-ID oder Steuernummer.

Dienstleister

Google Ads, Meta, Software & Co.

Entscheidend ist nicht der Markenname, sondern welches Unternehmen deine Rechnung ausstellt und in welchem Land es sitzt. Wird dir eine B2B-Dienstleistung von einem Unternehmen im EU-Ausland berechnet, kann Reverse Charge relevant werden.

Prüfe deshalb bei Werbekonten, SaaS-Tools und Plattform-Abos immer Rechnungssteller, Land und hinterlegte Unternehmensdaten.

Seit 2025 besonders wichtig

Die neue EU-Kleinunternehmerregelung hat eine eigene Kleinunternehmer-ID

Seit 2025 können in Deutschland ansässige Kleinunternehmer unter bestimmten Voraussetzungen die Kleinunternehmerbefreiung auch in anderen EU-Mitgliedstaaten nutzen. Dafür gibt es ein besonderes Meldeverfahren beim Bundeszentralamt für Steuern.

Für dieses Verfahren erteilt das BZSt eine Kleinunternehmer-Identifikationsnummer. Diese Nummer ist nicht einfach deine normale USt-ID.

Wofür brauchst du diese neue Kleinunternehmer-ID?

Sie ist für einen ganz anderen Zweck gedacht als die normale USt-ID. Mit dem besonderen EU-Verfahren kann ein deutscher Kleinunternehmer unter den gesetzlichen Voraussetzungen die Kleinunternehmerbefreiung auch für Umsätze in einem anderen EU-Mitgliedstaat nutzen.

Wenn du ausschließlich in Deutschland tätig bist, brauchst du diese spezielle Kleinunternehmer-ID deshalb nicht. Sie wird erst dann interessant, wenn du die Kleinunternehmerbefreiung grenzüberschreitend innerhalb der EU nutzen möchtest.

01

EU-Umsatzgrenze

Für die Teilnahme darf der relevante Jahresumsatz im gesamten Gemeinschaftsgebiet im Vorjahr und im laufenden Jahr 100.000 Euro nicht überschreiten.

02

Zusätzliche Länderregeln

Du musst zusätzlich die Voraussetzungen der Kleinunternehmerbefreiung in dem jeweiligen Mitgliedstaat erfüllen, in dem du die Befreiung nutzen möchtest.

03

Quartalsmeldungen

Wer am besonderen Meldeverfahren teilnimmt, muss für jedes Kalendervierteljahr eine Umsatzmeldung an das BZSt übermitteln.

Warum dieser Punkt in einem USt-ID-Artikel wichtig ist

Seit 2025 gibt es nicht mehr nur die Frage „USt-ID ja oder nein?“. Kleinunternehmer, die grenzüberschreitend in der EU verkaufen, müssen zusätzlich prüfen, ob die neue EU-Kleinunternehmerregelung und die dafür vorgesehene Kleinunternehmer-ID für sie relevant sind.

Schritt für Schritt

Wie beantragst du deine Umsatzsteuer-ID?

Die Beantragung ist kostenlos. Du hast zwei praktische Wege: direkt bei deiner steuerlichen Erfassung oder später über das Bundeszentralamt für Steuern.

Was solltest du vor dem Antrag bereithalten?

Wenn dein Unternehmen bereits steuerlich erfasst ist, solltest du deine beim Finanzamt gespeicherten Unternehmensdaten kennen. Dazu gehören insbesondere dein Name beziehungsweise die Unternehmensbezeichnung, Anschrift und deine steuerliche Zuordnung.

Beantragst du die USt-ID bereits im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, musst du keinen separaten zweiten Gründungsfragebogen ausfüllen. Du setzt dort einfach die entsprechende Angabe; nach der umsatzsteuerlichen Erfassung leitet das Finanzamt die erforderlichen Daten an das BZSt weiter.

Bei der Gründung im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

In ELSTER kannst du angeben, dass du eine Umsatzsteuer-ID benötigst. Nach deiner umsatzsteuerlichen Erfassung leitet das Finanzamt die für die Vergabe erforderlichen Daten an das BZSt weiter.

Oder später direkt beim BZSt beantragen

Wenn du die Nummer später benötigst, kannst du den Antrag über das dafür vorgesehene BZSt-Verfahren stellen. Die offizielle Leistungsseite führt dich zum aktuell verfügbaren Formular.

Daten exakt angeben

Name, Anschrift und steuerliche Daten müssen zu den beim Finanzamt gespeicherten Informationen passen. Abweichungen können bei Plattformen und späteren Bestätigungen zu Problemen führen.

Nach Erhalt in deinen Geschäftskonten hinterlegen

Trage die USt-ID nur dort ein, wo sie für deine steuerliche Situation sinnvoll beziehungsweise erforderlich ist. Gerade als Kleinunternehmer solltest du vorher die Folgen von Reverse Charge und innergemeinschaftlichen Erwerben verstehen.

Vor EU-B2B-Geschäften

USt-ID prüfen: Warum die Nummer deines Geschäftspartners wichtig ist

Bei bestimmten innergemeinschaftlichen B2B-Geschäften reicht es nicht, irgendeine Nummer auf eine Rechnung zu schreiben. Die verwendete USt-ID muss gültig sein und zum Geschäftspartner passen.

Warum solltest du eine USt-ID überhaupt prüfen?

Bei grenzüberschreitenden B2B-Umsätzen können steuerliche Folgen davon abhängen, ob dein Geschäftspartner tatsächlich als Unternehmer unter einer gültigen USt-ID auftritt. Eine bloß optisch plausible Nummer reicht deshalb nicht.

Die Prüfung ist vor allem dann wichtig, wenn du eine Rechnung ohne deutsche Umsatzsteuer ausstellst oder eine besondere EU-Regel anwendest. Bewahre den Nachweis der Prüfung für deine Unterlagen auf, wenn er für deinen Umsatz relevant ist.

VIES / MIAS

Über das EU-System kannst du prüfen, ob eine europäische USt-ID grundsätzlich gültig ist.

Qualifizierte Bestätigung

Für bestimmte Nachweiszwecke kann zusätzlich eine weitergehende Bestätigung der Unternehmensdaten sinnvoll beziehungsweise erforderlich sein.

Praktische Checkliste

Diese Fragen solltest du vor der Beantragung beantworten

Du musst nicht alles auf einmal wissen

Für den Start reicht es, deinen tatsächlichen Geschäftsablauf durchzugehen: Wo sitzt dein Kunde? Wo sitzt dein Lieferant? Kaufst du Ware oder eine Dienstleistung? Bist du Kleinunternehmer? Erst aus diesen Antworten ergibt sich, welche Umsatzsteuerregel für dich relevant wird.

Die folgende Checkliste ist deshalb nicht als zusätzliche Bürokratie gedacht, sondern als Reihenfolge, mit der du deinen eigenen Fall Schritt für Schritt einordnen kannst.

Verkaufst du nur in Deutschland oder auch in andere EU-Staaten?

Je mehr grenzüberschreitende Umsätze du hast, desto relevanter wird die USt-ID.

Kaufst du Software, Werbung oder Plattformleistungen aus dem Ausland?

Prüfe Rechnungssteller und Land. Bei EU-B2B-Dienstleistungen kann Reverse Charge greifen.

Bist du Kleinunternehmer?

Dann kläre nicht nur die USt-ID, sondern auch fehlenden Vorsteuerabzug, Reverse Charge und gegebenenfalls die Erwerbsschwelle.

Kaufst du Waren aus anderen EU-Staaten?

Beachte die Erwerbsschwelle von 12.500 Euro und dass die Verwendung einer USt-ID als Verzicht auf die Schwelle gelten kann.

Verkaufst du als Kleinunternehmer grenzüberschreitend in der EU?

Prüfe zusätzlich die EU-Kleinunternehmerregelung nach § 19a UStG und die dafür vorgesehene Kleinunternehmer-ID.

Verlangt eine Plattform eine Steuer-ID?

Prüfe genau, ob tatsächlich die USt-ID oder alternativ eine Steuernummer verlangt wird. Die Anforderungen unterscheiden sich.

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FAQ

Häufige Fragen zur Umsatzsteuer-ID

Ist die Umsatzsteuer-ID für jeden Selbstständigen Pflicht?

Nein. Eine USt-ID ist nicht allein deshalb verpflichtend, weil du selbstständig bist. Sie wird vor allem bei bestimmten grenzüberschreitenden EU-Sachverhalten und je nach Plattformanforderung relevant.

Darf ein Kleinunternehmer eine USt-ID haben?

Ja. Die Beantragung einer USt-ID beendet die Kleinunternehmerregelung nicht automatisch. Trotzdem können bei grenzüberschreitenden Geschäften zusätzliche Umsatzsteuerpflichten entstehen.

Muss ein Kleinunternehmer bei Reverse Charge Umsatzsteuer zahlen?

Ja, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen für Reverse Charge erfüllt sind, kann auch ein Kleinunternehmer die deutsche Umsatzsteuer schulden. Da Kleinunternehmer grundsätzlich keinen Vorsteuerabzug haben, kann die Steuer zu einer echten Kostenbelastung werden.

Brauche ich für Etsy zwingend eine USt-ID?

Nicht pauschal jeder Etsy-Verkäufer benötigt allein wegen Etsy zwingend eine USt-ID. Etsy kann sie abhängig von Land und steuerlicher Konstellation verlangen. Bei EU-Shops außerhalb Irlands beeinflusst eine hinterlegte USt-ID außerdem die Umsatzsteuer auf Verkäufergebühren.

Brauche ich für Digistore24 als Kleinunternehmer eine USt-ID?

Nach den aktuellen Digistore24-Hinweisen geben deutsche Kleinunternehmer ihre Steuernummer an und wählen die Kleinunternehmerregelung. Eine USt-ID ist für diesen Status nicht zwingend anstelle der Steuernummer erforderlich.

Ersetzt die Wirtschafts-ID meine USt-ID?

Nein. Das Bundesfinanzministerium stellt ausdrücklich klar, dass die Wirtschafts-Identifikationsnummer die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer aktuell nicht ersetzt.

Was ist die Kleinunternehmer-ID?

Sie wird für das besondere EU-Meldeverfahren nach § 19a UStG vergeben, wenn ein in Deutschland ansässiger Kleinunternehmer die Kleinunternehmerbefreiung auch in einem anderen EU-Mitgliedstaat nutzen möchte.

Ist die Beantragung einer USt-ID kostenlos?

Ja. Die Umsatzsteuer-ID wird vom Bundeszentralamt für Steuern auf Antrag kostenlos erteilt.

Kann ich die USt-ID schon bei der Gründung beantragen?

Ja. Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung kannst du angeben, dass du eine USt-ID benötigst. Das Finanzamt leitet die notwendigen Angaben nach der steuerlichen Erfassung an das BZSt weiter.

Hinweis

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung. Umsatzsteuerliche Folgen hängen stark davon ab, ob du Waren oder Dienstleistungen kaufst oder verkaufst, wo deine Geschäftspartner sitzen, ob du Kleinunternehmer bist und welche Plattform beziehungsweise Abrechnungsstruktur verwendet wird. Bei Unsicherheit solltest du den konkreten Fall mit deinem Finanzamt oder einem Steuerberater klären.

Weiter mit Tipp 15: Welche Steuernummer ist welche?

Im nächsten Tipp trennen wir Steuer-ID, Steuernummer, Umsatzsteuer-ID und die weiteren Unternehmensnummern sauber voneinander – damit du genau weißt, welche Nummer auf eine Rechnung gehört und welche nicht.

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