Online Marketing Tipp 5

Ein wichtiger Schritt in Richtung Online Business: Welche Steuern kommen auf dich zu?

Kurz erklärt: Wenn du ein Online Business startest, kommt neben Angebot, Content und Kunden auch das Thema Steuern auf dich zu. Du musst nicht alles auswendig können – aber du solltest wissen, welche Steuerarten grundsätzlich relevant sind und wo typische Stolperfallen lauern (z. B. Auslandsrechnungen mit Reverse Charge).

Tipp 5: Welche Steuern kommen auf dich zu?

Wichtig: Ich bin kein Steuerberater. Dieser Artikel ist eine praxisnahe Orientierung für Starter. Maßgeblich sind deine konkrete Situation, deine Rechtsform und die Vorgaben deines Finanzamts.

Warum du das Thema früh klären solltest

Wenn du dich dafür entscheidest, ein Online Business zu starten, gibt es neben den spannenden kreativen und geschäftlichen Aspekten auch administrative Pflichten, die du im Blick behalten musst – und Steuern sind der Klassiker dabei. Das Ziel ist nicht, dass du Steuerrecht lernst. Das Ziel ist, dass du weißt, welche Themen überhaupt auf dich zukommen, damit du Rücklagen bildest, sauber dokumentierst und nicht irgendwann von Nachzahlungen überrascht wirst.

In diesem Beitrag bekommst du einen klaren Überblick, welche Steuerarten für dich als Einzelunternehmer typischerweise relevant sind und worauf du besonders achten solltest.

Wichtige Steuerarten für Einzelunternehmer im Überblick

Je nach Business-Modell, Rechtsform und Setup sind nicht immer alle Punkte gleichzeitig relevant. Für viele Starter im Online Business sind diese Themen aber die häufigsten:

  • Einkommensteuer auf deinen Gewinn
  • Gewerbesteuer(wenn du gewerblich bist und über dem Freibetrag liegst)
  • Umsatzsteuer(wenn du nicht Kleinunternehmer bist) inkl. Vorsteuer
  • Kirchensteuer und ggf. Soli(abhängig von deiner persönlichen Situation)
  • Reverse-Charge(häufig bei Ads/Software/Tools aus dem Ausland)

1. Einkommensteuer

Die Einkommensteuer ist für Einzelunternehmer die zentrale Steuer. Dein Gewinn, den du mit deinem Business erzielst, zählt zu deinem persönlichen Einkommen. Deutschland hat ein progressives Steuersystem: Je höher dein Einkommen, desto höher steigt der Steuersatz. Die genaue Steuer wird über deine jährliche Steuererklärung ermittelt und ans Finanzamt abgeführt.

Praxis-Tipp: Plane von Anfang an Rücklagen ein. Ein einfacher Start ist: Sobald Geld reinkommt, legst du einen festen Prozentsatz separat zurück. Dann wird die Steuer später nicht zum Schock.

2. Gewerbesteuer

Wenn dein Unternehmen gewerblich tätig ist, kann zusätzlich Gewerbesteuer anfallen. Sie wird auf den sogenannten Gewerbeertrag erhoben (vereinfacht: sehr nah am Gewinn). In vielen Fällen greift für Einzelunternehmer ein Freibetrag, und erst darüber wird es relevant. Zusätzlich hängt die Höhe stark vom Hebesatz deiner Gemeinde ab – der ist je nach Standort unterschiedlich.

Achtung: Viele unterschätzen Gewerbesteuer, weil sie am Anfang oft „noch nicht“ greift. Wenn dein Business wächst, kann sie aber plötzlich ein Thema werden. Rücklagen und eine saubere Kalkulation schützen dich.

3. Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

Die Umsatzsteuer ist eine der häufigsten Steuerarten im Alltag eines Unternehmers. Wenn du nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst, musst du auf deine Umsätze Umsatzsteuer erheben und ans Finanzamt abführen. Der reguläre Satz liegt oft bei 19 %, für bestimmte Leistungen/Waren gilt ein ermäßigter Satz (z. B. 7 %).

Der große Vorteil für viele Regelbesteuerte: Du kannst die Umsatzsteuer, die du bei betrieblichen Ausgaben zahlst, als Vorsteuer geltend machen (mehr dazu in Punkt 8).

Merksatz: Umsatzsteuer ist meistens nicht „dein Geld“. Du nimmst sie ein und führst sie weiter. Entscheidend ist, dass du sie sauber dokumentierst und fristgerecht meldest.

4. Solidaritätszuschlag

Der Solidaritätszuschlag ist ein Zuschlag auf die festgesetzte Einkommensteuer. In der Praxis betrifft er viele Selbständige heute deutlich weniger als früher, weil er für die meisten Steuerpflichtigen reduziert bzw. weggefallen ist. Bei sehr hohen Einkommen kann er aber weiterhin relevant sein.

5. Kirchensteuer

Wenn du einer kirchensteuerpflichtigen Religionsgemeinschaft angehörst, kann zusätzlich zur Einkommensteuer Kirchensteuer fällig werden. Die Höhe hängt vom Bundesland ab und liegt typischerweise bei 8 % oder 9 % der Einkommensteuer.

6. Lohnsteuer (wenn du Mitarbeiter beschäftigst)

Sobald du Mitarbeiter beschäftigst, kommen zusätzliche Pflichten dazu: Du bist dann verpflichtet, die Lohnsteuer deiner Mitarbeiter einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Die Lohnsteuer ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer deiner Mitarbeiter und wird direkt vom Gehalt abgezogen.

Praxis-Tipp: Wenn du an den ersten Mitarbeiter denkst, plane früh: Lohnabrechnung, Fristen, Meldungen. Spätestens dann lohnt sich ein sauberer Prozess (oder Hilfe vom Steuerberater/Lohnbüro).

7. Weitere mögliche Steuern

Je nach Art deines Unternehmens können weitere Steuern eine Rolle spielen. Nicht jeder Starter hat das sofort – aber du solltest wissen, dass es diese Fälle gibt:

  • Grundsteuer, wenn du Eigentum betrieblich nutzt
  • Kfz-Steuer, wenn ein Fahrzeug betrieblich genutzt wird
  • Kapitalertragsteuer, wenn dein Business relevante Kapitalerträge erzielt (z. B. Zinsen/Dividenden im Unternehmenskontext)

8. Vorsteuer

Vorsteuer ist das Gegenstück zur Umsatzsteuer und ein wichtiger Hebel für viele Unternehmer. Während du Umsatzsteuer auf deine Verkäufe erhebst, zahlst du selbst bei betrieblichen Einkäufen ebenfalls Umsatzsteuer – zum Beispiel bei Tools, Software, Hardware, Werbung oder Hosting. Diese gezahlte Umsatzsteuer nennt man Vorsteuer.

Wenn du vorsteuerabzugsberechtigt bist, kannst du diese Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung bzw. in der Umsatzsteuererklärung gegenrechnen:

  • Ist deine gezahlte Vorsteuer höher als die vereinnahmte Umsatzsteuer, bekommst du die Differenz oft erstattet.
  • Ist deine vereinnahmte Umsatzsteuer höher, führst du die Differenz ans Finanzamt ab.

Warum das wichtig ist: Am Ende soll die Umsatzsteuer wirtschaftlich beim Endkunden „hängen bleiben“. Für Unternehmen ist Vorsteuer der Mechanismus, der eine Mehrfachbelastung im Business-Alltag verhindert.

9. Reverse-Charge-Verfahren (Ads/Tools aus dem Ausland)

Sehr häufig im Online Business: Du kaufst Leistungen bei ausländischen Anbietern – zum Beispiel Werbeanzeigen (Google Ads, Meta, TikTok), Software-Abos (SaaS) oder Tools. Die Rechnung kommt dabei oft netto, also ohne deutsche Umsatzsteuer. Und genau an dieser Stelle kann das Reverse-Charge-Verfahren greifen.

Einfach erklärt: Bei Reverse-Charge wird die Umsatzsteuerpflicht vom Anbieter auf dich als Leistungsempfänger übertragen. Das heißt: Nicht der Anbieter im Ausland führt die Umsatzsteuer ab, sondern du musst die Umsatzsteuer in Deutschland selbst berechnen und in deiner Umsatzsteuer-Voranmeldung korrekt angeben.

Merksatz: Netto-Rechnung bedeutet nicht „Umsatzsteuer egal“. Netto-Rechnung bedeutet bei vielen Auslandstools: Du musst die Umsatzsteuer rechnerisch übernehmen und korrekt melden.

Mini-Beispiel (so verstehst du es sofort)

Du buchst eine Werbekampagne oder ein Tool-Abo bei einem Anbieter im Ausland für 1.000 € netto. Auf der Rechnung steht keine deutsche Umsatzsteuer.

  • Du berechnest darauf die deutsche Umsatzsteuer (z. B. 19 % = 190 €).
  • Du meldest diese 190 € als Umsatzsteuer in der Voranmeldung.
  • Wenn du vorsteuerabzugsberechtigt bist, kannst du dieselben 190 € (bei erfüllten Voraussetzungen) als Vorsteuer wieder abziehen.
  • Ergebnis: Häufig wirkt es rechnerisch „neutral“, aber nur, wenn du es korrekt erfasst.

Achtung: Reverse-Charge sieht auf den ersten Blick oft harmlos aus („USt rein, Vorsteuer raus“). Aber das funktioniert nur, wenn du es korrekt in der Buchhaltung und in der Voranmeldung abbildest. Wenn du es ignorierst, kann das später zu Rückfragen, Korrekturen oder Nachzahlungen führen – und genau diesen Stress willst du dir sparen.

Wichtig, wenn du Kleinunternehmer bist

Wenn du Kleinunternehmer bist, darfst du in der Regel keine Vorsteuer ziehen. In Reverse-Charge-Fällen kann es deshalb passieren, dass du Umsatzsteuer melden musst, aber sie nicht „zurückholen“ kannst – und dann wird das schnell zu echten Kosten. Genau deshalb solltest du das Thema kennen, bevor du regelmäßig Ads oder Auslandstools buchst.

10. Steuerregeln bei digitalen Dienstleistungen (EU)

Wenn du Software, Apps oder digitale Inhalte anbietest, können besondere Umsatzsteuerregeln relevant werden – vor allem, wenn du an Kunden in anderen EU-Ländern verkaufst. Je nach Konstellation kann die Umsatzsteuer dort fällig werden, wo dein Kunde sitzt. Das kann kompliziert wirken, aber es gibt EU-Verfahren, die die Abführung über eine zentrale Meldung vereinfachen (z. B. über das OSS-System).

Praxis-Tipp: Wenn du digital an Endkunden in der EU verkaufst, kläre das früh mit deinem Steuerberater oder lies dich in die OSS-Regeln ein. Das ist ein typischer Punkt, der bei Wachstum plötzlich „über Nacht“ wichtig wird.

11. Steuer auf digitale Werbung (in manchen Ländern)

Einige Länder haben spezielle Steuern auf digitale Werbeumsätze eingeführt, die sich vor allem an große Plattformen richten. Für die meisten Starter ist das nicht der Alltag. Trotzdem ist es gut, das Grundprinzip zu kennen: Je internationaler und plattformlastiger dein Geschäftsmodell wird, desto eher können länderspezifische Regeln relevant werden.

Einordnung: Für die meisten Solo-Starter ist das kein „sofort“-Thema. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, warum steuerliche Rahmenbedingungen sich je nach Land unterscheiden können.

12. International: Steuerpflicht & Doppelbesteuerungsabkommen

Wenn du international tätig bist (du verkaufst ins Ausland, nutzt ausländische Plattformen, arbeitest mit Kunden aus anderen Ländern oder beziehst Leistungen von dort), kann es sein, dass du dich mit zusätzlichen Regeln beschäftigen musst. Doppelbesteuerungsabkommen sollen verhindern, dass Einkommen in zwei Ländern doppelt besteuert wird. In der Praxis ist hier wichtig: Du brauchst Klarheit, wo du steuerpflichtig bist und wie du Umsätze/Leistungen korrekt deklarierst.

Achtung: International wird’s schnell „beraterrelevant“. Wenn du merkst, dass dein Business stark ins Ausland geht, hol dir lieber einmal sauber Struktur rein, statt später teuer zu korrigieren.

Warum es wichtig ist, deine Steuerpflichten zu verstehen

Steuern beeinflussen direkt deinen Gewinn, deine Rücklagen und deine Planung. Wenn du deine Pflichten kennst, kannst du bessere Entscheidungen treffen, profitabler kalkulieren und bleibst bei Rückfragen vom Finanzamt entspannter. Außerdem schützt dich Wissen hier wirklich vor typischen Anfängerfehlern: Belege fehlen, Auslandsrechnungen werden ignoriert, Abgaben werden unterschätzt.

Die Informationen in diesem Beitrag wurden sorgfältig zusammengestellt, aber Steuergesetze und Detailregeln können sich ändern. Wenn du unsicher bist oder dein Setup komplex wird, lohnt sich professionelle Hilfe.

Mehr Überblick statt Steuer-Chaos: Zahlen & Belege sauber organisieren

Steuern werden deutlich leichter, wenn du Ordnung hast: saubere Belege, klare Zuordnung und eine schnelle Übersicht. Genau das spart dir am Ende Zeit, Geld und Nerven.

  • Belege automatisch sammeln und in Monatsordner ablegen
  • Dateinamen sauber setzen (Datum, Händler, Betrag)
  • Übersicht pflegen (Einnahmen/Ausgaben + Link zum Beleg)
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FAQ: Häufige Fragen zu Steuern im Online Business

Welche Steuern sind für Starter am wichtigsten?

Meist: Einkommensteuer (Gewinn), ggf. Gewerbesteuer (abhängig vom Gewinn) und Umsatzsteuer (wenn du nicht Kleinunternehmer bist). Dazu kommt häufig Reverse-Charge bei Ads/Tools aus dem Ausland.

Was ist der häufigste Fehler?

Belege nicht sauber sichern und Auslandsrechnungen (Reverse-Charge) ignorieren. Dann wird aus „machbar“ schnell „teuer“, weil nachträglich korrigiert werden muss.

Muss ich sofort einen Steuerberater haben?

Nicht zwingend. Wenn du aber viele Buchungen hast, regelmäßig Ads schaltest, ins Ausland verkaufst oder Mitarbeiter planst, lohnt sich mindestens ein kurzer Check, damit dein Setup von Anfang an sauber ist.

Warum ist Reverse-Charge so ein Dauerthema im Online Business?

Weil fast jeder Tools, Software oder Ads bei Anbietern im Ausland nutzt. Die Rechnungen kommen netto, und die Umsatzsteuer wird dann oft von dir als Leistungsempfänger gemeldet. Das ist ein Klassiker, der ohne System schnell untergeht.

Hinweis: Maßgeblich sind deine konkrete Situation, deine Rechtsform und die Vorgaben deines Finanzamts.

Weiterführende Ressourcen

  1. ELSTER – offizielle Plattform für Steuererklärungen und Meldungen
  2. Bundesfinanzministerium (BMF) – Infos zu Steuern und Verwaltung
  3. Gesetze im Internet – offizielle Gesetzestexte
  4. IHK – Gründerinfos und Orientierung
  5. EU: One-Stop-Shop (OSS) – Überblick zu EU-VAT-Meldungen

Über die Autorin

Luisa von Online Marketing Woman

Ich helfe Einzelunternehmern und kleinen Unternehmen, ihre Online-Präsenz so aufzubauen, dass sie von Kunden, Google und auch von KI-Systemen gefunden werden. Praxisnah, strategisch und ohne unnötigen Technik-Frust.